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Calvin und die Erlösung durch die Werken


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Die Schrift aber demütigt uns tiefer - und richtet uns zugleich kräftiger auf! Sie verbietet uns allerdings, uns unserer Werke zu rühmen, weil sie ja Gottes unverdiente Gaben sind. Aber sie lehrt uns außerdem zugleich, daß die Werke immer noch mit allerlei Makeln besudelt sind, so daß sie Gott nicht Genugtuung leisten können, wenn sie nach der Richtschnur seines Urteils geprüft werden. Demgegenüber erklärt sie, damit uns nicht alle Freudigkeit entfalle, daß jene Werke durch Gottes reine Vergebung sein Wohlgefallen finden. Obgleich aber Augustin ein wenig anders redet als wir, so besteht in der Sache selbst doch kein so großer Gegensatz; das ergibt sich aus seinen Worten im dritten Buche seiner Schrift an Bonifacius. Er vergleicht da zunächst zweierlei Menschen miteinander, einen, dessen Leben geradezu ein Wunder von Heiligkeit und Vollkommenheit ist, und einen anderen, der zwar auch rechtschaffen und von lauteren Sitten ist, aber doch noch nicht so vollkommen, daß man an ihm nicht doch manches besser wünschen möchte. Dann zieht er den Schluß: "Dieser (letztere) scheint nun nach seinem Verhalten niedriger zu stehen als der andere, aber er steht doch im wahren Glauben: aus ihm lebt er, aus ihm heraus klagt er sich in allen seinen Missetaten selber an, gibt bei allen guten Werken Gott den Lobpreis, schreibt sich die Schande zu, ihm aber den Ruhm, aus diesem Glauben empfängt er von ihm Verzeihung für seine Sünden und Liebe für das, was er recht gemacht hat - und um dieses Glaubens willen wandert er auch, wenn er einst von diesem Leben befreit sein wird, in die Gemeinschaft mit Christus! Warum? Allein um des Glaubens willen! Dieser macht gewiß niemanden ohne Werke selig - denn er ist ja rechter Glaube, der durch die Liebe tätig ist: (Gal. 5,6) -; aber um seinetwillen werden auch die Sünden vergeben; denn "der Gerechte wird seines Glaubens leben" (Hab. 2,4). Ohne ihn aber wird selbst das, was als gutes Werk erscheint, in Sünde verkehrt." (An Bonifacius III,5). Hier gibt er doch offenkundig zu, was wir mit solchem Nachdruck behaupten, nämlich daß die Gerechtigkeit unserer guten Werke davon abhängt, daß Gott sie verzeihend gelten läßt.

6. BIBELSTELLE ÜBER REICHTUM UND SCHÄTZE BESTÄTIGEN NICHT DAS WERT DES WERKES

Dem Sinne nach stehen den oben erwähnten Stellen die folgenden sehr nahe. Zunächst: "Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten!" (Luk. 16,9). Und dann: "Den Reichen von dieser Welt gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott ..., daß sie Gutes tun, reich werden an guten Werken ..., Schätze sammeln, sich selbst einen guten Grund aufs Zukünftige, daß sie ergreifen das ewige Leben" (1. Tim. 6,17ff.; nicht ganz Luthertext). Da werden nun (so meint man) die guten Werke mit Reichtümern verglichen, die wir in der Seligkeit des ewigen Lebens genießen sollen.

Quelle: http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/03institutio.htm

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