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4. CHRISTUS, WAHRER MENSCH, DOCH OHNE SÜNDE UND VERDERBTHEIT
Die Sinnwidrigkeiten, mit denen man uns belasten will, sind voller kindischer Schmähungen. So heißt es: Für Christus sei es doch eine Schande, ein Makel, wenn er von Menschen seine Abkunft herleitete; denn dann könnte er doch auch von dem allgemeinen Gesetz nicht ausgenommen werden, das jeden Nachkommen des Adam ausnahmslos unter der Sünde festhält. Diesen Knoten kann nun aber leicht die Gegenüberstellung lösen, die wir bei Paulus hören. "Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde ... also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen" (Röm. 5,12.18). Dazu kommt auch die andere Gegenüberstellung: "Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch, der andere Mensch ist der Herr vom Himmel!" (1. Kor. 15,47). Deshalb lehrt der Apostel an anderer Stelle zwar auch, Gott habe "seinen Sohn gesandt in der Gestalt des sündlichen Fleisches", damit er dem Gesetze Genugtuung leistete (Röm. 8,3); aber er nimmt ihn doch ausdrücklich von dem allgemeinen menschlichen Los aus und zeigt, wie er ein wahrer Mensch war, doch ohne Sünde und Verderbtheit!
Dagegen macht man nun den kindischen Einwand: Wenn also Christus von allem Makel unberührt ist, wenn er durch das geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes aus dem Samen der Maria geboren ist — dann ist also der weibliche Same nicht unrein, sondern nur der des Mannes! Aber wir erklären Jesus Christus ja nicht deshalb für rein von aller Befleckung, weil er nur von seiner Mutter geboren ist, ohne Umgang mit einem Manne, sondern vielmehr deshalb, weil der Heilige Geist ihn geheiligt hat, so daß es eine reine und unbefleckte Erzeugung war, wie sie vor dem Falle des Adam gewesen sein würde! Wir wollen aber unter allen Umständen dies festhalten: Wo die Heilige Schrift zu uns von der Sündlosigkeit Christi redet, da denkt sie an die wahre menschliche Natur; denn es wäre ja überflüssig, zu sagen, Gott sei sündlos! Auch die "Heiligung", von der wir Johannes 17 hören, würde auf die göttliche Natur nicht passen.
Wir nehmen übrigens keineswegs zweierlei Samen Adams an, wenn doch Christus, der auch von ihm abstammt, keinerlei Befleckung überkommen hat. Denn die menschliche Zeugung ist an und für sich keineswegs unrein oder verderbt, sondern sie ist es durch den Fall geworden! Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Christus, der doch die ursprüngliche Reinheit wiederherstellen sollte, von der allgemeinen Verderbnis ausgenommen war. Gewiß: auch hier noch wirft man uns vor, es sei widersinnig, daß Gottes ewiges Wort Fleisch angenommen hätte und also in das enge, irdische Knechthaus des Leibes eingeschlossen gewesen wäre; aber das ist wirklich reine Unverfrorenheit: denn das Wort ist zwar freilich in der Unermeßlichkeit seines Wesens mit der Natur des Menschen zu einer Person zusammengewachsen, aber doch nicht darin eingeschlossen! Das ist das große Wunder: der Sohn Gottes ist vom Himmel herniedergestiegen — und hat ihn doch nicht verlassen; er ist aus der Jungfrau geboren worden, ist auf der Erde gewandelt, ja er hat mit seinem Willen am Kreuze gehangen — und doch hat er immerfort die ganze Welt erfüllt, wie im Anfange!
Quelle: http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/02institutio.htm










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