Share
19. DER MENSCH DURCH DEN GLAUBEN GERECHTFERTIGT WIRD
Der Leser bemerkt nun, mit was für Fug und Recht heutzutage die Klüglinge unsere Lehre schmähen, weil wir sagen, der Mensch werde "allein" durch den Glauben gerechtfertigt. Daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, das wagen sie nicht zu bestreiten, weil es ja so oft in der Schrift ausgesprochen wird. Da sich aber das „allein" nirgendwo ausdrücklich findet, so wollen sie es nicht leiden, daß wir es hinzusetzen! Wirklich? Was wollen sie aber dann auf die Ausführungen des Paulus antworten, der doch behauptet, die Gerechtigkeit komme nur dann aus dem Glauben, wenn sie uns aus reiner Gnade zuteil werde? (Röm. 4,2ff.). Wie soll sich aber dies „aus reiner Gnade" mit den Werken reimen? Mit was für Schmähungen wollen sie auch den Worten ausweichen, die er an anderer Stelle ausspricht, wenn er sagt, im Evangelium werde uns „geoffenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt"? (Röm. 1,17). Wird die Gerechtigkeit im Evangelium offenbart, so ist sie darin nicht zerfetzt oder halb, sondern ganz und vollkommen beschlossen. Das Gesetz hat also in ihr keinen Raum. Es ist aber eine nicht bloß verkehrte, sondern geradezu lächerliche Ausflucht, wenn sie sich so sehr gegen das Wörtlein „allein" versteifen. Wenn einer den Werken alles wegnimmt - mißt er es nicht damit voll und ganz dem Glauben allein zu? Lieber Leser, was sollen denn eigentlich solche Sätze bedeuten wie: „Die Gerechtigkeit ist ohne Zutun des Gesetzes offenbart" (Röm. 3,21) oder „der Mensch wird aus Gnaden gerecht" (Röm. 3,24; ungenau), und zwar „ohne des Gesetzes Werke" (Röm. 3,28);
Aber hier haben die Klüglinge eine ganz schlaue Ausflucht. Sie haben sie freilich nicht selber ausgedacht, sondern aus Origenes und einigen anderen von den alten Kirchenvätern entnommen. Aber sie ist trotzdem völlig unangebracht. Sie schwatzen nämlich, in derartigen Schriftworten würden nur die in Zeremonien geschehenden Gesetzeswerke ausgeschlossen, nicht aber die „sittlichen". So erreichen sie mit ihrem fortwährenden Gezänk, daß sie nicht einmal die Grundbegriffe der Denkkunst erfassen! Der Apostel zieht doch zur Begründung seiner Lehre die Stellen heran: „Welcher Mensch das tut, der wird dadurch leben" (Röm. 10,5; Gal. 3,12; Lev. 18,5) und: „Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er\'s tue!" (Gal. 3,10; Deut. 27,26). Meinen denn nun jene Leute, der Apostel sei von Sinnen, wenn er diese Schriftworte heranzieht? Wenn sie nicht verrückt sind, so werden sie doch nicht behaupten, hier werde denen das Leben verheißen, die die Zeremonien beobachten, oder denen der Fluch gesprochen, die sie nicht recht halten! Wenn aber diese Stellen auf das sittliche Gesetz bezogen werden müssen, so ist es außer Zweifel, daß auch den sittlichen Werken das Vermögen zur Rechtfertigung abgesprochen wird! In der gleichen Richtung gehen auch solche Schlußfolgerungen, wie sie Paulus anstellt: „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde" - also wird durch das Gesetz „kein Fleisch
gerecht!" (Röm. 3,20). Oder: „Das Gesetz richtet Zorn an" - also wirkt es nicht die Gerechtigkeit! (Röm. 4,15, im Zusammenhang mit Vers 16). (Ähnlich:) Weil das Gesetz unser Gewissen nicht sicher machen kann, darum taugt es auch nicht dazu, uns Gerechtigkeit zu verschaffen. Weil der „Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet" wird (Röm. 4,5), darum ist die Gerechtigkeit keine Belohnung für unsere Werke, sondern sie wird uns unverdientermaßen geschenkt! Weil wir die Gerechtigkeit aus dem Glauben erlangen, darum ist der Ruhm „ausgeschlossen" (Röm. 3,27). „Wenn ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendigmachen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber Gott hat alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung ... werde gegeben denen, die da glauben!" (Gal. 3,21f.; nicht ganz Luthertext). Nun sollen jene Klüglinge, wenn sie es wagen, ruhig schwatzen, diese Worte bezögen sich auf die Zeremonien und nicht auf die Sitten - es werden doch selbst Kinder eine solche Schamlosigkeit zuschanden machen! Wir wollen also daran festhalten: wenn dem Gesetze das vermögen abgesprochen wird, uns zu rechtfertigen, dann beziehen sich solche Aussagen auf das ganze Gesetz!
Text von http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/03institutio.htm










![[e-cristianismo] - Novidades](http://www.e-cristianismo.com.br/components/com_ninjarsssyndicator/assets/images/buttons/rss20.gif)
