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KAPITEL VII
DIE SUMME DES CHRISTLICHES LEBENS. WO SICH UM DIE VERZICHT HANDELN.
1. WIR SIND NUN ABER NICHT UNSERE EIGENEN HERREN, SONDERN GEHÖREN WIR DEM HERRN.
Das Gesetz des Herrn bietet uns gewiß eine großartige und trefflichst geordnete Anleitung zur Gestaltung unseres Lebens. Doch hat es unserem himmlischen Meister Wohlgefallen, die Seinen noch auf eine genauere Weise nach der Regel zu bilden, die er im Gesetz vorgeschrieben hatte. Der Hauptgrundsatz dieser Erziehungsweise ist der: die Gläubigen haben das Amt, "ihre Leiber zu begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei - welches sei ihr vernünftiger Gottesdienst!" (nach Röm. 12,1). Aus diesem Satz entnimmt Paulus Ursache zu der Ermahnung: "Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der Wille Gottes!" (Röm. 12,2; Schluß etwas ungenau).
Das ist nun eine große Sache, daß wir dem Herrn geheiligt und geweiht sind - um nun in unserem Denken, Reden, Trachten und Handeln nichts anderes zu tun, als was zu seiner Ehre dient! Denn das, was Gott heilig ist, zu unheiligem Gebrauch zu bestimmen, das bedeuter entsetzliches Unrecht gegen ihn! Sind wir nun aber nicht unsere eigenen Herren, sondern gehören wir dem Herrn - so wird sofort klar, welchen Irrtum wir zu meiden haben und worauf alle unsere Werke in unserem ganzen Leben zu richten sind.Wir sind nicht unsere eigenen Herren - also darf bei unseren Plänen und Taten weder unsere Vernunft noch unser Wille die Herrschaft führen. Wir sind nicht unsere eigenen Herren - also dürfen wir uns nicht das Ziel setzen, danach zu suchen, was uns nach dem Fleische nütze! Wir sind nicht unsere eigenen Herren - also sollen wir uns und alles, was wir haben, soweit irgend möglich, vergessen!
Auf der anderen Seite: Wir sind Gottes Eigentum - also sollen wir ihm leben und ihm sterben! Wir sind Gottes Eigentum - also muß seine Weisheit und sein Wille bei all unserem Tun die Führung haben! Wir sind Gottes Eigentum - also muß unser Leben in allen seinen Stücken allein zu ihm als dem einzigen rechtmäßigen Ziel hinstreben! (Röm. 14, 8). Wie weit ist der schon fortgeschritten, der erkannt hat, daß er nicht sein eigener Herr ist - und der deshalb seiner eigenen Vernunft Herrschaft und Regiment entzogen hat, um sie Gott allein zu überantworten! Denn die schädlichste Pestilenz, die die Menschen nur zugrunderichten kann, herrscht da, wo der Mensch sich selber gehorcht - und der einzige Hafen des Heils liegt dementsprechend darin, daß wir von uns aus nichts denken, von uns aus nichts wollen, sondern einzig dem Herrn folgen, wie er uns vorangeht!
Der erste Schritt soll also darin bestehen, daß der Mensch von sich selber abscheidet, um alle Kraft seines Geistes daran zu setzen, dem Herrn zu Willen zu sein. Unter solcher Dienstschaft verstehe ich nicht nur die, welche im Gehorsam gegen das Wort beruht - sondern jene, bei der sich das Herz des Menschen, leer von allem eigenen, fleischlichen Sinn, ganz zu dem Willen des Geistes Gottes bekehrt. Diese Umwandlung, die Paulus auch „Erneuerung (im Geiste) des Gemüts" nennt (Eph. 4,23), ist den Philosophen sämtlich unbekannt gewesen, obwohl sie doch der erste Schritt ins Leben hinein ist. Sie setzen allein die Vernunft als Meisterin über den Menschen ein, sind der Meinung, man solle allein auf diese hören, ja, sie übertragen und verstatten ihr allein die Herrschaft über die Sitten. Die christliche Weisheit (Cnristiana pnilosopnia) dagegen läßt die Vernunft weichen, gibt ihr auf, sich dem Heiligen Geiste zu unterwerfen, unter sein Joch zu treten, damit der Mensch fürderhin nicht selber lebt, sondern Christus als den in sich trage, der da lebt und regiert! (Gal. 2,20).
Quelle: http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/03institutio.htm










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