Share
2. DAS KREUZ MACHT UNS UNSERE SCHWACHHEIT ERKENNEN, UND DER GNADE DES GOTTES VERTRAUEN.
Zudem hatte unser Herr nur insofern nötig, das Kreuz auf sich zu nehmen, als es galt, dem Vater seinen Gehorsam zu bezeugen und zu beweisen. Für uns dagegen ist es aus vielen Gründen vonnöten, unser Leben unter beständigem Kreuz zuzubringen. Zunächst sind wir ja von Natur nur allzu geneigt, unserem Fleische alles zuzuschreiben, und deshalb kommen wir, wenn uns unsere Schwachheit nicht handgreiflich gewissermaßen vor die Augen gestellt wird, leicht dazu, unsere Kraft über das rechte Maß zu schätzen und nicht zu zweifeln, sie werde gegenüber allen Schwierigkeiten ungebrochen und unbesiegt bleiben - komme, was da wolle. So geraten wir denn in ein törichtes und eitles Vertrauen auf unser Fleisch; darauf verlassen wir uns und kommen zu einer halsstarrigen Hoffart gegen Gott selber, als ob wir an unseren eigenen Fähigkeiten ohne seine Gnade genug hätten.
Diese Vermessenheit kann Gott nicht besser dämpfen, als wenn er uns durch die Erfahrung beweist, an wieviel Schwachheit, ja, auch an wieviel Gebrechlichkeit wir leiden. Deshalb plagt er uns mit Schande oder Armut oder mit dem Verlust unserer Lieben oder mit Krankheit oder mit anderen Nöten - und das auszuhalten, sind wir viel zu schwach; was an uns ist, so müssen wir bald unterliegen! So gedemütigt, lernen wir, seine Kraft anzurufen, die uns allein unter der Last unserer Trübsal standhalten läßt. Auch die heiligsten Menschen, die gewiß erkannt haben, daß sie durch Gottes Gnade und nicht durch eigene Kraft Bestand haben, auch sie sind trotzdem ihrer Tapferkeit und Standhaftigkeit sicherer, als es recht ist - wenn sie Gott nicht durch die Prüfung des Kreuzes zu tieferer Selbsterkenntnis führt. Solche falsche Sorglosigkeit hat sich auch bei David eingeschlichen: "Ich sprach, da mir's wohlging: Ich werde nimmermehr darniederliegen. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen hattest du meinen Berg stark gemacht; aber da du dein Antlitz verbargest, erschrak ich" (Ps. 30,7f.). Er bekennt hier, wie unter glücklichen Verhältnissen seine Sinne in Trägheit abgestumpft waren, so daß er Gottes Gnade, von der er abhängen sollte, hintanstellte und sich stattdessen auf sich selber stützte, ja sich dauerndes Standhalten versprach. Wenn das aber solch einem Propheten zugestoßen ist - wer unter uns müßte sich dann nicht fürchten, um sich in acht zu nehmen? Haben sich Menschen unter ruhigen Verhältnissen ihrer Beständigkeit und Geduld geschmeichelt und sie für gar groß gehalten, so lernen sie, unter den Widerwärtigkeiten gedemütigt, erkennen, daß es lauter Heuchelei war.
Durch dergleichen Beweise, meine ich, werden die Gläubigen an ihre Gebrechen erinnert und schreiten so zur Demut fort, so daß sie alles verkehrte Vertrauen auf das Fleisch von sich ablegen und zu Gottes Gnade ihre Zuflucht nehmen. Haben sie dann das getan, so erfahren sie auch die Gegenwart der göttlichen Kraft, in der Hilfe genug und übergenug zu finden ist.
3. DAS NEHMEN DES KREUZES VERSICHERN UNS DASS GOTT SEINE VERHEIßUNG ERFÜLLTE
Eben hiervon redet nun Paulus, wenn er uns lehrt, daß "Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung ..." (Röm. 5,3f.). Gott hat den Gläubigen verheißen, ihnen in der Trübsal beizustehen - und sie „erfahren" die Wahrheit dieser Verheißung, wenn sie, von seiner Hand gestützt, "geduldig" standhalten, was sie aus eigener Kraft keineswegs vermöchten! Die "Geduld" bringt also den Heiligen die "Erfahrung", daß Gott die Hilfe, die er ihnen verheißen hat, auch wirklich erzeigt, wenn es nötig ist. Das dient dann wieder zur Bekräftigung ihrer Hoffnung; denn es wäre ja eine gar zu große Undankbarkeit, wenn sie die Wahrheit Gottes, die sie als beständig und kräftig erfahren haben, nicht auch für die Zukunft erwarteten.
Wir sehen bereits, wieviel Gutes hier in einem einzigen Zusammenhang aus dem Kreuz uns zukommt. Das Kreuz stürzt nämlich unseren Wahn um, in dem wir uns der eigenen Kraft fälschlich vermessen haben, es macht unsere Heuchelei, die uns soviel Genuß bereitet, offenbar, es schlägt unser gefährliches Vertrauen auf unser Fleisch zu Boden; hat es uns aber solchermaßen gedemütigt, so lehrt es uns, uns allein auf Gott zu verlassen, und so kommt es, daß wir nicht unterdrückt werden und nicht unterliegen. Dem Siege aber folgt die Hoffnung; denn der Herr hat doch dadurch, daß er seine Verheißung erfüllte, auch für die Zukunft seine Wahrheit bestätigt.
Wahrlich, selbst wenn diese Ursachen allein stünden, so wäre doch deutlich, wie sehr uns die Übung unter dem Kreuze nottut. Denn es ist nicht von geringer Bedeutung, daß uns unsere blinde Selbstliebe weggenommen wird und wir uns so unserer Schwachheit recht bewußt werden, - daß wir die eigene Schwachheit zu Herzen nehmen, um uns selber mißtrauen zu lernen, - daß wir uns selber mißtrauen, um unser Vertrauen auf Gott zu setzen, - daß wir das Vertrauen unseres Herzens auf Gott ruhen lassen, um auf seine Hilfe zu bauen und so unbesiegt bis ans Ende zu beharren, - daß wir durch seine Gnade festbleiben, damit wir erkennen, daß er wahrhaftig ist in seinen Verheißungen, - daß wir die Unverbrüchlichkeit seiner Verheißungen erfahren, um dadurch eine Stärkung unseres Glaubens zu empfangen!
Quelle: http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/03institutio.htm










![[e-cristianismo] - Novidades](http://www.e-cristianismo.com.br/components/com_ninjarsssyndicator/assets/images/buttons/rss20.gif)
